Montag, 1. Oktober 2007: slx Olsztyn. Seine Schäfchen im Kreistag hat Landrat Manfred Hugo fest im Griff. Dass er auch tierische Schafe unter Kontrolle bringen kann, bewies er jetzt im polnischen Partnerkreis Olsztyn (Allenstein). Nicht mit einem Machtwort, sondern durch das Ausstrahlen von viel Ruhe und noch mehr Geduld schaffte es der Landrat schließlich, dass sich der bockige Schafbock Rübezahl und seine vier Zippen zum Fototermin mit Politikerin und Politikern vor die Linsen der wartenden Fotografen begaben.
Die fünf Tiere der Rasse Skudden sind ein Geschenk des Landkreises Osnabrück an seinen polnischen Partnerkreis anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Partnerschaft der beiden Kreise. Im Freiluftmuseum von Hohenstein soll der achtjährige, preisgekrönte Bock Rübezahl nun dafür sorgen, dass aus der noch kleinen Herde alsbald eine große wird.
"Rübezahl wird es schon richten", war sich Hugo sicher.Die rhetorischen Bedenken von Landrat Hugo und seinem polnischen Gegenüber Adam Sierzputowski, ob Schafe das richtige Geschenk anlässlich eines Jubiläums seien, entkräftete Museumsleiter Marian Juszczynski mit einem Hinweis auf polnische Traditionen:
"Wer Schafe hat, der hat alles."
Bei Skudden handelt es sich um die älteste Schafs-rasse der Welt. Zwischenzeitlich etwas in Vergessenheit geraten, wollen die Experten des Museums und der Allensteiner Landwirtschaftsschule dafür sorgen, dass sich die alte ostpreußische Rasse wieder vermehrt.
Begehrt sind die widerstandsfähigen Tiere einerseits durch ihre wertvolle Wolle, die laut Experten "weicher ist als Angora". Andererseits auch durch ihr schmackhaftes, dem Vernehmen nach an Wild erinnerndes Fleisch. Ein Aroma, an dem offensichtlich auch einer der zahlreichen in Polen frei lebenden Wölfe Geschmack gefunden hatte. Und so musste der Schäfer, der die Skudden lieferte, kurzfristig ein Schaf ersetzen, das zuvor der grauhaarige Räuber gerissen hatte.
Die Übergabe der Skuddenherde war einer von zahlreichen Höhepunkten der fünften Bürgerreise des Landkreises Osnabrück in die Region Ermland/Masuren. Rund 130 Interessierte nutzten vier Tage lang die Gelegenheit, sich vor Ort einen bleibenden Eindruck von den Schönheiten des Partnerkreises zu verschaffen und in ungezählten länderübergreifenden Gesprächen die Partnerschaft zu vertiefen.
Bei einem Empfang zur Feier des zehnten Jahrestages der Partnerschaft in der Burg in Olsztyn betonten Manfred Hugo und Adam Sierzputowski die Bedeutung der freundschaftlichen Verbindung zwischen den beiden Landkreisen.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung