Samstag, 28. April 2012: Kinder kriegen die Leute von alleine. Diese Äußerung von Bundeskanzler Konrad Adenauer, die er Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts getätigt hat, würde heute wohl niemand mehr unterschreiben. Weder unsere Bundeskanzlerin, die selbst kinderlos ist, noch ich, als Abgeordneter und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Aber wie bekommen Leute denn Kinder? Diese Frage ist doch viel komplexer, als die vielen oberflächlich geführten Debatten, die von Zeit zu Zeit aufflammen, wenn wieder ein neuer Anreiz gesetzt werden soll.
Gleich als „Herdprämie“ abgestempelt, ruft das Betreuungsgeld in diesen Tagen große Proteste hervor. Es zementiere die traditionelle Rollenverteilung heißt es da. Dass Männer gleichsam empfangsberechtigt sein werden, lässt man unter den Tisch fallen. Es passt nicht zur Debatte. Vielen Kritikern geht es vor allem um das Niedermachen eines Lebensentwurfs. Jede Maßnahme, die nicht zum Modell der durchgängigen Berufstätigkeit passt, wird niedergemacht.
Über 150 verschiedene Leistungen, insgesamt Hundertmilliarden Euro geben wir jährlich zur Förderung von Ehe und Familie aus. Wird davon ein Kind mehr geboren? In Europa haben sich zwei unterschiedliche Gesellschaftssysteme formiert. In Frankreich oder auch den skandinavischen Ländern gibt es eine grundsätzlich positive Grundstimmung Kindern gegenüber, die es potentiellen Eltern leichter macht, sich für eigene Kinder zu entscheiden. Bei uns ist die Stimmung ein wenig getrübter. Das müssen wir uns einfach eingestehen. Weder durch immer neue Leistungen, noch durch neue Gesetze, werden wir dieses grundlegend ändern können. Es kommt auf unsere grundsätzliche positive Einstellung zum Leben und zu Kindern an.