Fastenbrechen mit christlichen Gästen


Neue Osnabrücker Zeitung am 6. September

Am Fastenbrechen der islamischen Gemeinde nahmen zum ersten Mal Gäste aus Politik und Kirche teil. Foto: Horst Troiza

Bildunterschrift: Am Fastenbrechen der islamischen Gemeinde nahmen zum ersten Mal Gäste aus Politik und Kirche teil. Foto: Horst Troiza

Montag, 6. September 2010: Dissen. Zum ersten Mal hatte die muslimische Gemeinde Dissens Vertreter aus der Gemeindepolitik und der Kirchen zum Fest des Fastenbrechens eingeladen. Nach einem kurzen Rundgang durch die Moschee an der Rosinenstraße nahmen Muslime und Gäste an den reich gedeckten Tischen im türkischen Vereinszentrum Platz.


Die Frage, ob die Einladung im Zuge der öffentlichen Diskussion um die kontrovers aufgenommenen Äußerungen des Bundesbank-Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin ausgesprochen worden war, verneinte Hassan Tuncbilek, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins. „Für uns steht im Vordergrund, den christlichen Mitbürgern einen Einblick in unsere religiöse Kultur zu geben und miteinander ins Gespräch zu kommen.“

Das geschah dann auch mit großem Interesse auf beiden Seiten. Der Vorsitzende der türkischen Gemeinde, Faruk Özdemir, und Imam Abdul Selam Akcam führten die Besucher durch die Räume und beantworteten alle Fragen.

Die Moschee der islamischen Gemeinde wurde 1995 eröffnet und zählt 110 Mitglieder, dazu kommen etwa 40 Kinder. Im Einzugsgebiet, das ungefähr dem Südkreis des Osnabrücker Landes und der Gemeinde Versmold entspricht, leben rund 270 Familien muslimischen Glaubens.

Nach dem Rundgang warteten üppig gedeckte Tische auf alle. Bis zum kommenden Donnerstag währt noch die vom Koran festgelegte Fastenzeit, der Ramadan, in der Gläubigen erst nach Einbruch der Dunkelheit die Nahrungsaufnahme gestattet ist.

Am Abend nach dem Freitagsgebet ging es besonders festlich zu. Über 100 Menschen nahmen am Fastenbrechen teil, darunter Pastor Rainer von Oppen, Monsignore Rainer Lewald, der stellvertretende Bürgermeister Reiner Marjenau sowie der CDU-Bundestagsabgeordnete Georg Schirmbeck.

Nach dem Genuss der schmackhaften Gerichte ergriff Schirmbeck das Wort. Mit Schlagzeilen und Polemiken werde sich nichts verbessern lassen, kommentierte er die aktuelle Situation. Es sei bekannt, dass an der Situation zwischen Migranten und Einheimischen „noch einiges zu tun“ sei. Ein Beitrag hierfür sei der heutige Abend gewesen.

Der Dialog müsse weiter fortgesetzt werden, damit „wir uns weiter kennenlernen, miteinander reden und uns verstehen“, erklärte er unter großem Beifall.




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